Luisenstraße
Das Verschwinden im Bild
Der letzte Plattenbau im Berliner Regierungsviertel wird 2004 abgerissen. Statt das Verschwinden zu fotografieren, wird das Gebäude selbst zum Photoapparat — eine Camera Obscura, deren Bild auf die mit Emulsion beschichtete Wand projiziert wird.
Schließlich wird das Gebäude selektiv rückgebaut, der Bau also Element für Element demontiert. Die industriell vorgefertigten Module werden geschreddert und finden eine letzte Verwendung im Autobahnbau.
Ein Raum im dritten Stock des Plattenbaus wurde komplett abgedunkelt. Nur im Fensterbereich gibt es eine winzige Öffnung, durch die die Lichtstrahlen gebündelt ein Abbild der Realität auf die gegenüberliegende Wand projizieren. Das dunkle Zimmer ist die camera obscura und damit das Urbild des Photoapparats.
Um das Bild auf der Wand zu konservieren, wird die Tapete entfernt und der Beton mit photographischer Emulsion beschichtet. Danach wird die Fotowand entwickelt, gestoppt, fixiert und gewässert. Die Wohnzimmerwand wurde zum Bildträger und die Beton- zur Photo-Platte. Vom Abriss zum Abzug — Architektur wird im Verschwinden selbst zur Photographie.